Zum Tode Helmut Kohls: Eine Klarstellung über die deutsche Wiedervereinigung von Helga Zepp-LaRouche

Die Vorsitzende des Schiller-Instituts Helga Zepp-LaRouche verfaßte am 18.6. die folgende Erklärung zum Tode des früheren deutschen Bundeskanzlers (1982-98) Helmut Kohl.

Die diversen Würdigungen Helmut Kohls als „Vater der Deutschen Einheit“ und als „Visionär des geeinten Europa“ lesen sich eher wie die PR-Beschreibung der politisch korrekten Lesart, die Kohls Zeitgenossen von dem geschichtlichen Abschnitt haben sollen, der mit seiner Amtszeit zusammenfiel. Was völlig ausgeblendet wird, sind die geopolitischen Operationen, denen Kohl vor allem in der Zeit der deutschen Wiedervereinigung ausgesetzt war und die in anderer Form bis in die Gegenwart wirken.

Es bleibt Kohls Verdienst, daß er mit der Veröffentlichung des „Zehn-Punkte-Plans für eine Konföderation der beiden Deutschlands“ am 28. November 1989 einen ersten „Baby-Schritt“ in die Richtung der Souveränität Deutschlands getan hat, einen Schritt, den er weder mit den Alliierten noch mit seinem Koalitionspartner Genscher abgesprochen hatte. Zu einem wahrheitsgetreuen Bild gehört auch, daß dieser Impuls für die Erlangung der Souveränität mit der zwei Tage später erfolgten Ermordung des damaligen Chefs der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, einem engen Berater Kohls, durch eine angebliche dritte Generation der RAF augenblicklich wieder eingedämmt werden sollte. Unerwähnt bleiben in den vielen Kommentaren auch die haßerfüllte „Viertes-Reich-Kampagne“ Margaret Thatchers gegen Kohl, und Mitterrands Kriegsandrohung, falls Kohl nicht bereit sein würde, die D-Mark als Preis für die Wiedervereinigung aufzugeben und der Einzwängung in das Korsett von Maastricht und dem Euro zuzustimmen, von der Jacques Attali in seiner Mitterrand-Biographie berichtet. Kohl beschrieb das Gipfeltreffen der Europäischen Gemeinschaft Anfang Dezember 1989 in Straßburg, bei dem ihm diese Anfeindungen entgegenschlugen, später in einem Interview als eine der schwärzesten Stunden seines Lebens. Laut seinen eigenen Aussagen erkannte er erst bei seinem Besuch in Dresden am 19. Dezember, als ihm die Bevölkerung jubelnd „Helmut! Helmut!“ entgegen rief, daß die Stunde der deutschen Wiedervereinigung geschlagen hatte.

Kohl war natürlich Zeitzeuge für das Versprechen der USA an Gorbatschow, von dem auch u.a. der damalige US-Botschafter in Moskau, Jack Matlock, berichtet, die NATO niemals bis an die Grenzen Rußlands auszuweiten. Für Kohl war der Kalte Krieg mit der Auflösung der Sowjetunion vorüber, und es darf stark bezweifelt werden, daß er mit der Dämonisierung Putins der letzten Jahre einverstanden gewesen wäre. Daß sich Frau Merkel jetzt als Statthalterin der Konfrontationspolitik Obamas sieht, wäre wahrscheinlich auch nicht in seinem Sinn.